Ein Beitrag Beitrag von Birgit

Ich bin Birgit, Alkoholikerin und Heute dankbar trocken

Im Februar strahlend blauer Himmel und ich werde gern zurückgeführt ins jahr 2003 als ES geschah.

Mit Pegelsaufen war schon ne weile nix mehr ... trocken - saufen - Alles im Wechsel ... und ich hangelte mich von einer mir auferlegten Saufpause zur anderen. Die Zeiten zwischen meinen Abstürzen wurden immer kürzer und der Sturz an sich heftiger denn je.

Seit 2 Monaten schrieb ich mich mit einem AA-Freund und er erzählte mir, dass er doch sehr häufig glücklich und zufrieden lebte ... es auch schwarze Tag gibt, nur sie allein kein Grund mehr für ihn seien, zu saufen. Ich glaubte zwar immer, der Junge belügt mich nach Strich und Faden, doch irgendwie wuchs meine Neugierde, nur hatte ich null Plan, wie ich es umsetzen kann. Wenn ich trocken war, gönnte ich meinem Liebsten nicht den Schlucken Bier oder Wein oder so .... meine Blicke verfolgten ... von der Lippe bis zum Magen .... nach Außen hin war ich der Held - ich trank nicht, nur kreiselte in meinem Inneren alles um dieses Gesöff.

Ich stürzte wieder ab, mit nem gewaltigen Filmriß und mein Mann begleitete mich durch meinen Entzugstag - es war ein Donnerstag. Am Freitag Morgen mußte er wieder zur Arbeit und kniete vor mir und rang mir das Versprechen ab, dass ich doch standhaft bleibe und nichts trinke. Ich versprach es ihm, hoch und heilig und log, dass sich die Balken bogen. Meine Gedanken schwirrten nur um Eins - wie komme ich an Alk. Auf die Straße - so wie ich aussah??? Unmöglich!! Wo um Alles in der Welt gibt es in diesem Haus noch was zu trinken?

Er stand nach wenigen Minuten wieder auf der Matte und erklärte, er müsse mein Auto nehmen, sein Tank wäre leer. Meine Gefühle schlugen einen Purzelbaum, denn auf recht wundersame Weise wurde mein verzweifeltes Suchen verwandelt - in GEFUNDEN!!!! In seinem Kofferraum waren alle Flaschen verstaut, die er hier irgendwie gefunden hat ... mein Beschaffungsproblem war gelöst. Er war weg, draußen war es noch morgentlich diesig und in dessen Schutz durchwühlte ich den Kofferraum. Eine Flasche Wein scheppte ich gleich ins Haus und damit ich zur Ruhe kam, gönnte ich mir einen Schluck Campari ... der landete sofort auf den weißen Fliesen im Keller ... sche... Keller putzen! Danach war dann der Wein dran, gierig kippte ich das erste Glas - bleibt drin - weiter!!! Mit Mühe und Not schaffte ich es bis zur Toilette und alles kam wieder raus. Aber wie ... ich hatte das Gefühl, mein kleiner Zeh kommt oben zum Vorschein und ich bin von Rechts auf Links gekrempelt. Auf allen Vieren, laufen konnte ich vor Schwäche nicht mehr, kroch ich ins Wohnzimmer. Wadd nu???? Wieder Entzug und weiterzittern .... ich war am Ende und wußte nicht, wie ich den Tag über die Bühne bringen soll. Was war das nur für eine Scheiße ... totaler Kreisverkehr im Kopf: Alk - kein Alk - Alk - kein Alk ...............

Mein AA-Freund hatte mir über meine Tochter eine Tüte mit AA-Literatur zukommen lassen. Ich sagte mir: Statt zu leiden kannste auch lesen. Ich breitete alle Bücher vor mir aus und griff zum Blauen Buch. Warum ???????????

Ich begann zu lesen ... und las und las, ich vergaß die Zeit, vergaß mein Zittern, schmiß irgendwann die Bettdecke beiseite und saß auf der Couch und las mit offenem Mund und war nur noch am Staunen. Habe ich dabei noch Rauchen können? Weiß ich nicht mehr.

Ich kann mich nur noch an einen Satz erinnern und der war: DAS GIBT ES NICHT!!!!! Ständig wiederholte ich die Worte und sprach auch vom Wahnsinn ... DAS BIN DOCH ICH!

Auf jeder Seite, in jedem Abschnitt erkannte ich MICH ... ich sah, wie es sein wird, wenn ich so weiter mache wie bisher und ich las, dass es geht - ein Leben ohne Alkohol.

Irgendwann in der Mittagssonne, das Buch förmlich gefressen, saß ich im strahlenden Sonnenschein in der offenen Terrassentür und spürte, mit mir war etwas Wunderbares geschehen: Ich fror nicht mehr, ich zitterte nicht mehr und ich spürte, diese unendliche Gier hatte meinen Körper verlassen. Ich spürte etwas Wohliges in mir, es fühlte sich gut an. Ich kniepte mir in die Arme und in die Beine, schüttelte mich, ich glaubte, ich träume vielleicht.

Am Nachmittag kam mein Mann nach Hause ... kontrollierender Blick, Schnuppernase und er meinte: Was ist denn mit dir passiert??? So richtig wußte ich das an dem Tag auch noch nicht, ich wußte nur eins, ich brauchte nicht Saufen ... da saß Keiner im Nacken, der mich vorwärts trieb zur Flasche ... der war weg, der war verschwunden.

Heute weiß ich, an dem Tag wurde ich bereits von meiner HM geführt, begleitet, obwohl ich nicht wußte, was das ist. Ich war für mich ganz untern, bereit, neue Wege zu gehen, meinen alten Pfad durch meine Hölle zu verlassen.

An einem Freitag im Februar im strahlenden Sonnenschein geschah mein Wunder .... ich durfte trocken werden!!!!! 

Anfänglich recht unsicher, wackelig auf meinen Beinen habe ich mich öffnen können, für die Hilfe vieler lieber AA-Freunde. Sie schenkten mir ihre Erfahrungen und ich durfte mir nehmen, was ich brauchte. Sie sprachen mir Mut zu und schenkten mir ihren Mut, mit ihrem trockenen Leben. Daraus wuchs meine Kraft, es jeden Tag auf´s neue zu tun ... nur für Heute, das erste Glas stehen zu lassen.

Was mir vor gut 2 Jahren als der unvorstellbare Wahnsinn schlechthin vorkam - ein Leben ohne Alkohol - ist Heute mein größter Schatz.

Ich bin Birgit, ich bin Alkoholikerin und Heute dankbar trocken und auf meinem guten Weg.

Ich danke Euch für´s Teilen, Alles Liebe und achtsame g24h
Wen Du hier siehst, was Du hier hörst, wenn Du gehst, bitte lass es hier.
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